Dienstag, 24. März 2015

ICH BIN EIN FELSEN



foto martina kunze
Schauspiel des Nachthimmels

"Ich bin ein Felsen.
Ich habe Leben und Tod gesehen.
Ich habe Glück erfahren, Sorgen und Schmerz.
Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unserer Mutter, der Erde.
Ich habe ihr Herz an meinem schlagen gefühlt.
Ich habe ihren Schmerz gefühlt
und ihre Freude.
Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unseres Vaters, des großen Geheimnisses.
Ich habe seinen Kummer gefühlt
und seine Weisheit.
Ich habe seine seine Geschöpfe gesehen meine Brüder,
die redenden Flüsse und Winde, die Bäume,
alles, was auf der Erde,
alles was im Universum ist.
Ich bin mit den Sternen verwandt.
Ich kann sprechen, wenn du mit mir sprichst.
Ich werde zuhören, wenn du mit mir redest.
Ich kann dir helfen, wenn du Hilfe brauchst.
Aber verletz mich nicht,
denn ich kann fühlen wie du.
Ich habe Kraft, zu heilen,
aber du wirst sie erst suchen müssen.
Vielleicht denkst du, ich bin bloß ein Felsen,
der in der Stille daliegt
auf feuchtem Grund.
Aber das bin ich nicht,
ich bin ein Teil des Lebens,
ich lebe,
ich helfe denen, die mich achten."

Cesspooch (Dancing Eagle Plume)
Aus den Akwesasne Notes 1973

danke an Baumgeist Onatah Mit Koboltbande für die Anregung

Montag, 22. September 2014

MIRACLE







Montag, 15. August 2011

Van Huygens stolze Sammlung toter Exemplare

Professor van Huygens schleicht sich nahe an den Schatten spendenden Häusern die Saarstraße entlang zu einem Supermarkt ganz in der Nähe. Die Sonne brütet heute ganz ungewöhnlich heiß über Rumor City, und bräuchte Professor van Huygens nicht ganz dringend einen trockenen Rotwein, er wäre keinesfalls um die Mittagszeit außer Haus gegangen.

Es ist ihm unerträglich heiß, jeder Schritt, der mehr oder weniger dem lustigen Staksen eines Flamingos gleicht und in Zeitlupe vollzogen wird, gerät ihm zur Qual. Nur gut, dass er wie jeden Tag seine Tropenuniform aus den Tagen seiner früheren Expeditionen trägt. Solch eine Hitze ist nichts mehr für einen Mann in seinem jetzigen stolzen Alter von siebenundachtzig Jahren.

Früher, ja früher hatte er in Tansania Schmetterlinge gejagt, da vermochte er der Hitze das Geheimnis eines kühlen Kopfes zu entlocken. Aber heute klassifiziert und pflegt er lediglich noch die stolze Sammlung toter Exemplare, die aus der Jagd hervorgegangen ist. Und da bevorzugt er seine ewigen Schatten spendenden Räume, deren Fenster vor aller Leute Blicke stets verhüllt sind.

Professor van Huygens mag die Menschen nicht wirklich, er lebt zurückgezogen und allein und erlebt Dinge, die man nur im Alleinsein erleben kann. Wie sein Traum bloß wieder auf die Idee gekommen war, ihn mit dem Geist von Friedrich Nietzsche kommunizieren zu lassen, als sei es Wirklichkeit gewesen. Aber naja, das ist auch kein Wunder, die Hundstage nähern sich ihrem Ende und schließlich ist es Mittwoch, der 23. August 1971.

Plötzlich bleibt Professor van Huygens unvermittelt stehen und verharrt in einer Pose geistesabwesender Verinnerlichung, lange genug, so dass sein ewig im Mundwinkel hängender Zigarrenstumpen ausgeht. Dann kehrt er abrupt um und beschleunigt sogar seine Schritte ein wenig in Richtung seines Hauses. Vergessen, sein ehedem dringlicher Wunsch nach einem trockenen Chablis. Es gibt wichtigeres zu tun!

Am Fuße des Heringsbergs hat sich ein knapp achtjähriger Junge namens Kolja Levington in einem ausgebrannten Baumstamm versteckt und schaut reglos durch ein Astloch in die Ferne. Er liebt das. Tagein tagaus könnte er reglos in diesem Baumstamm stehen und durch jenes Astloch schauen, das ihm den Blick auf den versunkenen Kontinent Mu erlaubt. Instinktiv weiß er: Kein Mensch wird ihm das jemals glauben! Ja, es macht nicht einmal Sinn, ihnen ansatzweise davon zu berichten. Diese Aussicht ist nur für ihn gedacht, wird nur ihm gewährt, damit er sich wenigstens auf der Ebene der unartikulierbaren Gewissheit darüber bewusst wird, dass er keiner von ihnen ist, sondern ein Vek.

Professor van Huygens erwacht aus einem tiefen, von Träumen gewobenen Schlaf, erhebt sich und greift nach der grünen Flasche neben seinem Bett: der Chablis ist leer. »Ich werde eine Flasche holen müssen«, sagt er müde vor sich hin und wundert sich, ob er nicht heute schon einmal in der Mittagshitze draußen war. »Nein, das war gestern«, sagt er zu sich selbst, und antwortet dann aber verwundert: »Aber du denkst immer, etwas sei gestern gewesen, das vor einem Schlaf lag.« – »Stimmt!« pflichtet er sich bei und beginnt herzhaft zu lachen.

»Ich frage mich, woher die Träume kommen und was der Tanz der Schmetterlinge auf den von Sonnenstrahlen reflektierten Gravitationswellen damit zu hat.« – »Frag’ lieber nicht!«, antwortet eine Stimme, von der Professor van Huygens nicht genau sagen kann, ob sie aus seinem Inneren kommt oder von außerhalb zu ihm spricht. »Du bist schon verwirrt genug darüber, mit Friedrich Nietzsche kommuniziert zu haben.« – »Stimmt, das war auch gestern. — Also war ich heute doch schon auf dem Weg einen Wein zu holen. — Zeit ist wirklich eine verwirrende Angelegenheit. — Einstein … — Wie kommt der Traum bloß darauf, mir durch ein Astloch die absolute Wahrheit zu zeigen?«

Freitag, 7. Mai 2010

Konjunktiv ist immer blöd

Konjunktiv ist immer blöd. Es ist die Lebenseinstellung eines Arbeiters. Alles ist »würde«, »könnte«, »hätte«.

Konjunktiv ist Selbstbeschränkung und beabsichtigte Nicht-Entfaltung, eine Behinderung.

Und ebenso blöd ist es, an die Zukunft zu denken, anstatt sich die Gegenwart zu erfüllen.

Mein schwarzer Freund Cavann aus L.A. sagt: „Du brauchst nicht an das Morgen zu denken, es kommt von ganz alleine. Sollte es dies wider Erwarten einmal nicht tun, merkst du es aber ganz bestimmt nicht mehr.“

Mittwoch, 21. April 2010

Jetzt Redet Ich

Verehrte Damen! Geehrte Herren!

In meinem Hirn klafft eine Wunde
zwischen Ich und Du und Es
und wir befinden uns im Zweifel darüber
ob, wenn sie geheilt ist,
Ich uns nicht vergess'.

Es ist allerdings so, wie mein französischer Kollege Rimbaud bereits sagte: Ich ist ein anderer!

Und deshalb wird die Wunde klaffen
zwischen einem Affen,
(der Du bist
nicht Ich
heißt Es)
und einem Gott.

Dass dem tatsächlich so ist,
konnte Ich erst kürzlich in einer Kneipe belauschen:

Da betrat ein gut aussehender, ansehnlich gekleideter junger Mann den Gastraum,
und unmittelbar darauf reagierte eine junge Dame in meiner Hörweite angenehm erregt,
indem sie an ihren Begleiter gewandt ausrief:
"Gott, ist das ein schöner Mann!",
worauf der Angesprochene erwiderte:
"Der macht doch bloß 'n Affen!"

Es ist zu der Ansicht gekommen,
dass nicht die Geister sich scheiden,
sondern die Geschlechter.
Daher möchtest Du Dir auf folgendes einen Reim machen:

Eine Brücke zu überqueren
heißt sie nicht zu überqueren

Und damit sind wir bei der lange verschollen geglaubten Weisheit der Hedonistischen Heiden angelangt, über die zu referieren uns hier gestattet sei.

Om purnam opterix – so sagen wir – sei das ganze Gesetz.

Wir alle wissen: Die Welt ist Maya – Illusionen unbedachter Handlungen. Warum also halten wir daran fest?