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Dienstag, 6. Oktober 2009

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre ist es jetzt schon her. Zwanzig Jahre. Zwanzig lange Jahre.

In diesem Herbst feiern alle die Ereignisse des Herbstes vor zwanzig Jahren. Glanzlichter der Geschichte. Dazu angetan, dich zu überstrahlen. Zwanzig historische Jahre sind nichts. Absolut nichts. Vor allem, bedenkt man, was daraus geworden ist. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt kein Gut, kein Böse. Es bedeutet alles. Nichts.

Ich kannte gerade mal seinen Namen. Flüchtig hattest du ihn mal erwähnt. Er bedeute nichts. „Nur ein Name. Schall und Rauch.“ So hielt ich ihn auch nur am Rande meiner Erinnerung auf Abstand, diesen Stich in mein Herz. Rune.

Wir waren verrückt. Ich war verrückt. Nach dir. Du warst verrückt. Danach, verrückter noch zu sein als ich. Zwei Motten, die ums selbst gelegte Feuer tanzten. Alles sollte entflammen wie unsere Verrücktheit. Glühen wie unsere Leidenschaft. Nichts sollte bleiben, wie es war. Vor allem nicht so bedeutungslos und leer wie diese Tage vor unseren Tagen.

Ans Meer. In tiefe Wälder. Es zog dich fort wie eine fremde Macht. Ich schrieb mit Hochdruck an dem Buch, das längst von mir erwartet wurde. „Ich fahr’ schon vor. Komm bitte nach.“ Es zog dich fort wie eine fremde Macht, die stärker war als ich. Oder warst du doch die Verrücktere von beiden? „Ich fahr’ schon vor.“ Ans Meer. In tiefe Wälder. „Komm bitte nach.“

Ich schrieb, als könnte ich Leben retten. Als ließe Zeit sich irgendwie gewinnen. Ich schrieb und der Mond leuchtete mir durch die Nacht. Sein Bild auf dem Meeresspiegel hob und senkte sich mit den Gezeiten und verschwand bei Tagesanbruch einfach so ins Nichts.

Ich war verrückt. Vor Eifersucht. Ich wusste, du triffst ihn in dem blauen Haus hinterm Birkenwald. Ich wusste, dich interessiert die Straße nicht, die auf diese Insel führt. Die lange Brücke nicht und nicht der Sturm, den das wilde Meer gebar.

Zwanzig Jahre ist das jetzt schon her. Das Telefon klang damals noch wie eine Klingel. „Hier ist Rune“, sagte er. Ich konnte mir beim allerbesten Willen nicht erklären, woher er meine Nummer hatte. Ich schwieg. Weshalb rief er mich an? Er schwieg. Weshalb rief er mich an?

„Sie ist tot“, hauchte er und teilte seinen Schmerz mit meinem. – Wieso? Was für ein Bus?

Von der Fahrbahn abgekommen... Ironie kennt kein Erbarmen.

Zwanzig Jahre ist das jetzt schon her. Zwanzig lange Jahre. –
Mein Gott, Dein Wille geschah.

Freitag, 18. September 2009

MANCHMAL MORGENS

manchmal morgens
ergossen weit über die doppelliege ist erstarrte lavaschwere:
regt sich's    - metallen -       erst nach unzufälligem getöse
formt sich's  - metamorph -  zur einzelgestalt
mühselig nur wird's fleisch- und körperlich
bewegungsansammlung stagniert in bewegungsstau
zentrierte schwäche zieht tiefer nur

lustlosigkeit, weil zu große lust?
nichts schaut aus augen, niemand hinein
blind träumend - in den trott

zögernd strömt lebenssaft  - stöhnend: "DU MUSST!"
da gehen augen auf
WIESO? ... WOZU? ... WARUM? ...
NICHT NEIN!?
fließend im fluss
tätig, weil ICH WILL*, nicht weil DU MUSST!

autorin: © johanna zentgraf
berlin weißensee matratzengruft 1987-02-25

Montag, 10. August 2009

LEIDENSCHAFT

Schmerzlich

Rief aus Liebe
Rief aus Leid
Echolos - wird beides eins

1987 berlin, weißensee-matratzengruft
autorin: johanna zentgraf




Schicksal - Schlag

Schutzlos - als Pech niederging
Schwarz gerahmt sind Gesicht und Höhlen der Lust
gesenkte Lider schützen nicht
Pupillen kehren sich inwendig - f ü r c h t e n d

Frei - im Sonnenlicht grell
golden glänzt nichts auf in Einsamkeit tief getauchtem Haar
doch Schleier verglühen vorm Auge
Irrglanz funkelt Spiegelung - s u c h e n d

Innen - die Glut lodert
sengt geschürt den widerstandslos geläuterten Verstand
Sinnliche Tore öffnen sich erneut
vor Durst nach lieber Gestalt - z ö g e r n d

Weiter - für Leidenswege bereit
wissender unvernünftig - nicht mehr unbewußt ins Tal
Vielfaltssehnsüchtig nach eigener Wahl
Selbstverantwortlich immer fort - h a n d e l n d
hin zum Verzicht - i r g e n d w a n n?

1987 berlin, weißensee-matratzengruft
autorin: johanna zentgraf